Der Übergabetermin steht, die Verträge sind unterschrieben – und trotzdem entscheidet weiterhin der Senior. Ein vertrautes Bild in der Unternehmensnachfolge im Mittelstand.
Der formale und der tatsächliche Wechsel
Ein Geschäftsführerwechsel ist rechtlich ein Datum. Im Unternehmen ist er ein Prozess, der Monate vorher beginnt und Jahre später endet. Entscheidend ist nicht, wer im Handelsregister steht, sondern wem die Organisation Fragen stellt.
Solange Mitarbeitende erfahren, dass wichtige Entscheidungen weiterhin am alten Schreibtisch fallen, bleibt die Nachfolge formal. Die neue Führung verliert Autorität, ohne einen Fehler gemacht zu haben.
Loslassen braucht eine neue Rolle
Wer 30 Jahre Verantwortung getragen hat, gibt nicht nur Aufgaben ab, sondern einen wesentlichen Teil der eigenen Identität. Ohne ein tragfähiges Bild der Zeit danach entsteht der Rückzug nicht.
Deshalb gehört zur Nachfolgeplanung immer die Frage, welche Rolle die abgebende Generation künftig ausfüllt – im Beirat, in klar umgrenzten Projekten oder außerhalb des Unternehmens. Diese Rolle muss beschrieben, begrenzt und kommuniziert sein.
Was in der Praxis hilft
Ein verbindlicher Übergabefahrplan mit Meilensteinen und Entscheidungsrechten. Eine erkennbare Kommunikation an Führungskräfte und Mitarbeitende. Und ein Gremium, das den Prozess trägt statt ihn zu umgehen.
In der Begleitung arbeite ich mit beiden Generationen – getrennt, wo Klärung nötig ist, und gemeinsam, wo Verbindlichkeit entsteht.